Greta, das Klimamädchen

Greta, das Klimamädchen

Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst: die Welt geht unter. Sagt zumindest Greta, das Klimamädchen (früher gab‘s Milchmädchen). Verbittert durch eine gestohlene Kindheit stand Greta auf dem Klimagipfel kurz vor der Kernschmelze und fragte ganz kokett: „How dare you?“ Ein Satz, der durch die Medien schoss wie die meisten Autofahrer um die Kurve der Bellinostraße hier ein paar Meter weiter unten. Da kann man es also mit der Angst bekommen, könnte doch, wie es scheint, morgen schon alles vorbei sein. Dann am besten heute nochmal genau das machen, was man schon immer machen wollte. Bei Rot über die Ampel oder mit Socken ins Bett gehen.

Jetzt die gute Nachricht: ist alles gar nicht so schlimm. Sagt wiederum Hänsa, Gretas Bruder. Hänsa und Greta sind sich in den meisten Dingen schon immer uneins gewesen, haben oft und viel über allerlei diskutiert und übten sich so früh im Debattieren. Greta brachte es dadurch bis auf den Stuhl neben Obama, Hänsa schlug da eine mehr unauffälligere Lauf- bahn ein. Er besitzt im kleinen schwedischen Örtchen Fjällbacka eine bescheidene Holzschnitzerei und gibt sich täglich seiner Handwerkskunst hin. Am liebsten auf dem Bänkchen ein paar hundert Meter außerhalb des idyllischen skandinavischen Dorfes. Auf dem Bänkchen, das unter einer schwedischen Mehlbeere steht. Wenn er da sitzt und schnitzt ist ihm oft kalt (weil er auch etwas vergesslich ist und seine Jacke oft zuhause lässt) – und da erkannte er: das Klima ist noch gar nicht so warm. Eine reife Erkenntnis, die langjährige Erfahrung und ein feines Gespür für Temperatur voraussetzt. Die unterschiedlichen Lebenswege trieben einen Keil zwischen die Geschwister. Doch wenn Greta vor den Kameras mal keine Träne aus den Säcken presst, besucht sie Hänsa hin und wieder. Dann machen die Zwei gerne lange Spaziergänge im Wald. Und als Klimafetischisten machen sie dort gerne ihr eigenes Stockbrot. Eines Tages, beim Umwickeln des Stocks mit dem siebten Teigstrang, wandte sich Hänsa zu Greta und es fuhr aus ihm heraus: „Weißt du, Greta“, sagte er, „auch wenn wir uns sehr unterschiedlich entwickelt haben, aber eines wurde mir eben im Angesichte des zähflüssigen Teiges klar: wir wissen beide beachtlich viel. Du, warum die Gletscher schmelzen und ich, dass es ohne Jacke doch unangenehm fröstelt, vor allem wenn ich im Schnee sitzend schnitze. Wir sind, und das ist uns gemein liebe Greta, beide weise.“ Greta hörte weise und errötete vor Freud‘. Seit langem fühlte sie sich ihrem Bruder nicht mehr so nah. „Ganz recht, Hänsa, das sind wir. Lass uns unsere Weisheit in die Welt tragen und Stockbrot unter den E-Autofahrern verteilen!“ An diesem Nachmittag sprangen die beiden dann gleich auf und machten sich auf in die Welt. Ihre Weisheit verband das ungleiche Geschwisterpaar. Und das nach all den Jahren des spärlichen Kontakts. Hätten sie‘s doch nur früher gewusst…

Doch wie sich herausstellen sollte, dachten Hänsa und Greta nur, sie wären weise, wüssten viel und hätten dadurch wieder zueinander gefunden. Was sie auf jeden Fall nicht wussten war, dass E-Autofahrer weniger an Stockbrot, sondern viel mehr an Steckdosen interessiert waren. Gleich der erste Tesla-Fahrer nahm Hänsas Brot und zog es dem Bäcker dermaßen über die Rübe, dass Greta das nächste Auto anhalten musste, um Hänsa schnellstmöglich ins Krankenhaus zu fahren. Da Greta Autos, wenn nicht e-betrieben, verabscheute und gar nicht mit ihren Werten vereinbaren konnte, war ihr so unwohl bei der Fahrt, dass sie mehrmals über die Armaturen reierte. Ein peinliches Erlebnis, das sie Hänsa in die Schuhe schob. Nachdem dieser nach einem Tag wieder geflickt und entlassen war, verließ Greta ihren Bruder wieder abrupt mit den Worten: „Ich hätte es wissen müssen…“

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